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Presse-Echo "Heilige Nacht"

Neue Zeitung München Nr. 286 5.12.1951:
Thoma auf der Marionettenbühne
m Studentenstudio "Kleines Spiel begann am ersten Adventssonntag das Dezemberprogramm mit der Aufführung in dem die derbe Alltagsrealität - humorvoll und lehrhaft zugleich - in das Geheimnis der Heiligen Nacht eindringt, auf eine Marionettenbühne zu bringen, ist diesen unermüdlichen Liebhabern der Kunst des Puppenspiels gut gelungen. Wenn auch die Dekorationen um eine Spur zu romantisch-märchenhaft wirkten, wurde der vorübergehende Eindruck des Verspielten, der diesem Werk nicht ansteht, rasch verwischt durch die vorzügliche Diktion der Sprecher, vor allem durch den Erzähler (Ernst Hofmeister), der schon mit den ersten Worten den innigen Ton schlichter Eindringlichkeit fand.

B.B.


Südeutsche Zeitung 11.12.1951:
Ludwig Thomas Heimat-Idyll "Heilige Nacht" führt uns nach Bethlehem, als ob das Städtchen Bethle-heim hieße und irgendwo in den oberbayerischen Bergen läge.
Nur ein lauterer Volkspoet von Thomas antiliterarischem Wuchs kann es sich gestatten, die heilige Geschichte auf seiner eigenen Erde, in Schnee und Wald anzusiedeln, ihren Heiligenschein mit seiner Zeitlichkeit zu färben. Wo auch immer die lieben Knittelverse erklingen, ist Weihnachten, das frohe Fest der Freude-Bedürftigen. Man kann das kleine, sich aus Schüchternheit des Herzens profan gebende Mysterienspiel nicht liebevoller bewerkstelligen, als es das Marionettenstudio, "Das kleine Spiel", tat. Die Liliput-Bühne gab volle dingliche Illusion. Die Stimmen des Sprechers und die der herrlich einfältig geschnitzten Puppen standen in idealem Verhältnis. Ohne zu deklamieren, dienten sie alle der Aussage. Zwischen den "Hauptstücken" zirpte mundartliche Musik. - Man kann auch Thomas', des Weihnachts-Deutschen, Verse nicht mit frommerem, weiserem und feinerem Humor placieren, als es Gustav Waldau im Prinz-Carl-Palais (Bayer. Volksbildungs-Verband) tat, der die Sätze stärker illuminierte als die schlicht konturierenden Studenten. Aber der alte Barock-Corelli als Ouvertüre schien mir hier fehl am heimischen Platze. Meisters eifriges Kammerorchester hätte sich weniger fürstenhöflich als bauernhöflich audrücken dürfen.
G.K.

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