 |
Presse-Echo "Macbeth" |
 |
 | Das älteste Privattheater Münchens feiert Premiere von Shakespeares »Macbeth« – mit Marionetten Neues Stück im Kleinen Spiel
Ein Totenkopf liegt auf der Bühne, Nebel steigt auf, Lady Macbeth saust rastlos hin und her. „Fort, verdammter Fleck – fort, sag ich“: Shakespeare, wie er dramatischer kaum geht. Die Tatsache, dass die Hauptdarsteller an Fäden geführt werden, tut der Atmosphäre keinen Abbruch – im Gegenteil. Marionettentheater für Erwachsene bietet die Bühne „Kleines Spiel“ an der Neureutherstraße 12. Und das schon seit 1947. „Wir haben als erstes Theater Münchens nach dem Krieg eine Lizenz bekommen“, erzählt Axel Bahro, „Puppentheater wirkte harmlos“. Die ersten Stücke waren „Weh dem, der lügt“ und „Heilige Nacht“, die die Bühne mit den 100 Mitgliedern immer noch im Repertoire hat – mit den Originalpuppen von damals. Es folgten viele mehr, selbstgeschriebene wie die Dracula-Parodie „Schnell im Biss“ oder der Unterwasser- Krimi „Wal de Mar und die Wasserköpfe“, die ersten Schreibversuche von Mitglied Tankred Dorst. Jetzt wagen sich Regisseurin Ulrike Kretschmer und ihr Team das erste Mal an Shakespeare. Am 22. Oktober feiern sie Premiere von „Macbeth“. 20 Leute arbeiten seit einem Jahr an dem Stück, Kretschmer kürzte den Text für die 90- Minuten-Version, die anderen werkelten an der Kulisse, bastelten die Puppen, studierten die Rollen ein.Die Mitspieler sind zwischen 18 und 80, haben die unterschiedlichsten Berufe. Manche wurden ins Kleine Spiel hineingeboren – so wie Raphael Wiegand, dessen Mutter ihn schon als Zweijährigen zu den Vorstellungen mitnahm. Heute ist der Student 21 und leitet das Theater: „Mich hat das bunte Team fasziniert – ich bin gerne hier, auch wenn dabei viel Zeit draufgeht.“ Gespielt wird jeden Donnerstag um 20 Uhr. Bei den Mitwirkenden seiman auf Idealismus angewiesen, betont Ulrike Kretschmer, die im Westend lebt. „Wir verlangen keinen Eintritt und hoffen, dass die Zuschauerspenden die Produktionskosten decken.“ Der Vorteil finanzieller Unabhängigkeit: „Im Gegensatz zu anderen Theatern können wir was riskieren – wir sind nur uns und dem Zuschauer verpflichtet“, so Bahro. Auch sonst bietet das Reich der 120 Puppen jede Menge Möglichkeiten: „Wir können mit Perspektiven spielen,mit Licht,mit Spezialeffekten – und unsere Todesszene ist der Hammer“, so Kretschmer.
Von Maren Kowitz |
|  |
|