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Presse-Echo "Maipus Versuchung"

Eine ganz andere Generation prägt den Stil des "Kleinen Spiels", jener Studentengruppe, die derweil längst zu Examen, Amt und Familie gekommen ist und doch das Puppenspiel nicht lassen kann. Wieder stauten sich junge Besucherschwärme vor dem kleinen Kellertheater an der Neureutherstraße, darin es die Erstaufführung von "Maipus Versuchung oder Die belohnte Treue" gab. Eine "Kannibalette" nannten dies Werk die geheimnisvollen Autoren Josef Gurgel und Anselm van Heuveldorp, in denen man trotz einer rührend zu Papier gebrachten, weit fort weisenden Lebensgeschichte unschwer zwei der Säulen dieses Theaterchens erkennen konnte.

Es gab einen kannibalischen Spaß auf einer auf manche Art unterentwickelten Insel, auf der Dank Neptuns dreizackigem Eingreifen ein schiffbrüchiger Artist landet, dank dessen appetitichem Anblick das erst vor kurzem erlassene Verbot der Menschenfresserei unverzüglich wieder aufgehoben wird.

Vergnügliches Gemisch aus Witz und Albernheit, sanft durchkalauert, ein bißchen Nestroy und ein bißchen Herzmanovsky, ein bißchen absurdes Theater und viel Kabarett, ein chansonierendes Krokodil aus der modernen Raritäten-Retorte, in der die paradoxen Pointen ausgekocht werden und herrliche Musikparodien, von Wagner bis Paul Linke reichend und gipfelnd in köstlich - sentimentalen Operettenduetts mit menschenfresserisch-gefühlvollen Refrains.

Spinnengliedrige Figuren mit hundert Ausdrucksmöglichkeiten, allerlei Zauber mit Sonnenaufgängen und beweglichen Bühnenbildern, Wellenschlag und knorrige Palmen, Möwen in wehendem Flug und ein blauer Affe, der sich lauste und an Baumästen schaukelte (sein Zwillingbruder übrigens wird dem in diesen Tagen viel mit Puppenartigem beschenkten Ludwig Krafft, dem Leiter der Münchner Puppentheatersammlung, spontan zum Sechzigsten überreicht!).

An diesem Spiel bestach das Unkonventionelle, die immer neue Freude am Experiment mit alten und neuen Stilmitteln, die vielen Einfälle, die nicht nur ernste Arbeit am Spaß verraten, sondern auch ahnen lassen, daß hier Humanität sich verschämt hinter Übermut verbirgt, ohne daß die "lieben Menschen" als solche angesprochen würden.

So ging man also an zwei Tagen durch zwei verschiedene Puppenspielwelten, zwei von den vielen, bunten, verzaubernden, die der homo ludens überall dem technischen Zeitalter ablistet.

Horn



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