 |
Presse-Echo "Schnell im Biß" |
 |
 | Die Fadenkreuze der Marionetten werden, unsichtbar fürs Publikum, mit flinken Fingern bewegt, dazu kommen witzige Dialoge und ein phantasievolles Bühnenbild - und schon sind die Zuschauer im "Kleinen Spiel" von der ironisch-bissigen Vampirgeschichte gefesselt. Das kleine Theater in Schwabing wird seit 47 Jahren von Idealisten betrieben, deren Lohn allein ihre Freude am Spielen ist.
"Wir sind schnell im Biß, professionell im Biß, sensationell im Biß, einfach schnell im Biß," singen die drei Vampierdamen mit verruchter Stimme, hüpfen, von fast unsichtbaren Fäden gezogen, auf der kleinen Bühne herum und freuen sich über ihren gelungenen Streich am Grafen Dracula, dessen Schloß in den Schnellimbiß "MacDrac" verwandelt wurde. Das Publikum tobt ob dieser rasanten bissigen Inszenierung, als der blaue Samtvorhang fällt. Wie auf jeder Bühne treten die "Schauspieler" alle nochmals auf, verbeugen sich, nehmen den Applaus an allen Fäden bebend sichtlich begeistert entgegen.
"Wir wollen spielen um des Spielens willen und ein wenig an den Saiten rühren, die uns im kleinen Spiel ein größeres enthüllen". Dieser Vers, der früher in den Programmzetteln des Marionettenstudios "Das Kleine Spiel" stand, gilt noch heute für die Akteure in dem kleinen Theater in der Neureutherstraße 12. "Was wir hier tun, ist für viele ein echter Zweitberuf", erklärt Martin Kiehl, Kassenwart vom "Kleinen Spiel". Wer soviel Zeit in den beengten Kellerräumen (knapp 100 Quadratmeter) verbringt, sei es mit der Puppenherstellung, Proben oder dem Bühnenbild, muß von Leidenschaft fürs Theater gepackt sein. Insofern sind alle 15 Aktiven Akteure des "Kleinen Spiels" echte Idealisten.
Im Hauptberuf Ärzte, Physiker, Erzieherin, Zahnarzthelferin, Fahrlehrer, Architektin oder Studenten, lassen die jungen Leute ihre Alltagswelt hinter sich und stürzen sich gemeinsam ins Abenteuer Bühne. "Schnell im Biß - Fünf Sterne für Schloß Dracula", ein Stück von Peter Geierhaas nach der Idee von Michaela Loibl, steht noch am 14. und 21. Juli (jeweils 20 Uhr) auf dem Programm. Und auch wenn die Zuschauer immer donnerstags auf den Bänken meist dicht an dicht sitzen (es dürfen nur 50 in den kleinen Raum) und lange Beine "zusammengefaltet" werden müssen - ein Besuch im Kleinen Spiel lohnt sich immer. Nach der Vorstellung darf jeder hinter die Kulissen schauen, die putzige Werkstatt begutachten, in der die Puppen hergestellt und repariert werden (mittlerweile gibt es etwa 120) und das Podest sehen, auf dem die Spieler die Puppen führen.
Seit 1947 gibt es das "Kleine Spiel". Einer der Männer der ersten Stunde um Gründer Peter Auzinger, Ernst Hofmeister (71), ist immer noch dabei: "Ich bin stolz darauf, daß diese Initiative, die von ein paar Studenten ins Leben gerufen wurde, heute noch existiert". Damals habe man nach den schrecklichen Kriegserlebnissen einfach "etwas Schönes" machen wollen. Also schrieb der eine Stücke, andere fertigten Puppen und alle führten sie, liehen ihnen Stimmen und erweckten sie zum Leben. Tankred Dorst verdankt seine Erfolge auch dem "Kleinen Spiel" - mit seinen Marionettenstücken (etwa "Rhampsinit" oder "Maipus Versuchung") wurde er bekannt.
Wer Dorsts Stücke oder auch die anderen sehen will, muß einfach zum "Kleinen Spiel" hingehen. Eintrittskarten gibt es nicht. Und wem es gefallen hat, der kann am Ende der Vorstellung einen Obolus in den Zylinder werfen, der von der Decke heruntergelassen wird. Großzügige Spenden sind immer willkommen.
Karin Grenzebach |
|  |
|