 |
Presse-Echo "Volpone" |
 |
 | Die vitale Renaissancegestalt des englischen Dramatikers, der im 16. Jahrhundert vom Maurerlehrling zum humanistisch hoch gebildeten Kulturpapst seiner Zeit wurde, stellte der damals verbreiteten Schwülstigkeit volkstümlicher Farcen einen an antiken Vorbildern geübten Komödienstil gegenüber.
In seinem "Volpone", den die Mitglieder des "Kleinen Spiels" in einer eigenen Kombination unterschiedlicher Prosafassungen brachten, sind die Figuren streng stilisiert. Sie wurden zu Typen, was durch Tiernamen noch unterstrichen wird. Da ist der reiche Levantiner Volpone, der Fuchs. Er nimmt mit Schläue und boshafter List den geizigen Venezianern (Corbaccio, der Krähe, Corvino, dem Raben, und Voltore, dem Geier) in übler Erbschleichermanier die letzten Goldstücke, Diamanten - ja, er bringt es sogar fertig, die tugendsame Frau eines anderen zu verführen. Immer dabei ist Mosca, sein getreuer Diener und Schurke - eine kleine, behende Schmeißfliege mit Spinnenbeinen und ausdrucksvollen langen Fingern.
Das Spiel ist exakt, als Ergänzung gedacht zu den beißend ironischen Dialogen. Die Figuren gleichen grotesk und häßlich Tierleibern und kommen so dem Stilisierten noch entgegen. Das Komödiantische, der freche Witz, intelligente Bosheit feiern wahre Orgien - es gibt keine Guten, keine Helden, keine Moral, und es gewinnt am Ende der Listigste.
Goethe mochte Jonson nicht. Er zeichnete ihm wohl zu kraß die Korruption hinter allem Glanz, und die Brüchigkeit einer Zeit, die von Shakespears Größe überstrahlt wurde. Trotzdem, das Entzücken über die kleinen sensiblen Puppen war groß, und der Beifall belohnte den gelungenen Griff.
Großartig sind die Szenen vor dem hohen Gericht, wo plötzlich alle Schurken einig sind und der Oberschurke grünlich-blaß in einer schwarzen Gondel vorbeifährt, oder wenn säbelklirrend der bunte Hauptmann hervorstürmt, um Unschuld und Vaterland zu retten - auch wenn's nicht nötig wäre.
Christl Maerz |
|  |
|