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Presse-Echo "Wal de Mar" |
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 | Süddeutsche Zeitung, 7.2.2007:
Gute Figur . Das Puppentheater Kleines Spiel feiert 60-Jähriges
Die Guckkasten-Bühne sieht aus wie ein Aquarium. Bläuliches Licht fällt in den kleinen Raum. Sonst ist es finster. Auf dem Boden vor der Bühne stehen eine mit Moos beklebte Mini-Bohrinsel und der Teil eines U-Boots aus Pappmaché . Axel Bahro, groß, kurzrasierte Haare, Dreitagebart, gibt Anweisungen. „Der Rochen muss schweben, beweg ihn nach der Satzmelodie“, ruft er. ,,Und hängt die Pflanze weiter nach vorne, sonst erkennen die Zuschauer den Tatort nicht wieder.“ Bahro probt im Schwabinger Figurentheater Kleines Spiel den Unterwasserkrimi „Wal de Mar und die Wasserköpfe“, der morgen uraufgeführt wird. Zwölf Mitspieler arbeiten seit Monaten in ihrer Freizeit für das neue Stück, haben Buch und Musik geschrieben, Requisiten und Puppen gebaut - eine Krabbe als Inspektor, ein dicker Goldfisch als Detektiv. Trotz verspielter Figuren: Von Kindertheater ist dieser „Tatort“ zwischen Fischen weit entfernt. Der Regisseur schwärmt. „Puppen können sich teilen, sie können fliegen, schweben, schwimmen, sich verbiegen, sie können viel mehr als menschliche Schauspieler.“ Vor 21 Jahren hat Bahro beim Kleinen Spiel begonnen, als Student der Theaterwissenschaften. Kurze Zeit später verließ er die Uni und wurde Profi-Puppenspieler. Seitdem führt er unter anderem die WDR-Fernseh-Puppe Käpt‘n Blaubär. Dem Kleinen Spiel ist er bis heute treu geblieben. „Vom Puppenspiel hab ich nie genug“, sagt Bahro. Es ist der Reiz, toter Materie Leben zu geben, der ihn fasziniert. Von den Mitspielern wurde Bahro zum Regisseur des Jubiläumswerks gewählt, demokratisch. wie alle Entscheidungen hier getroffen werden seit der Gründung vor 60 Jahren. Zehn Studenten kehrten damals aus dem Krieg zurück ins zerbombte München. „Wir wollten etwas Schönes machen, wollten spielen um des Spielens willen“, erinnert sich Ernst Hofmeister, Gründungsmitglied und damals Student der Physik. „Wir hatten genug von Zerstörung, Leid und Krieg.“ In einer ausgebrannten Atelierwohnung in der Ainmillerstraße 37 fand das Kleine Spiel seine erste Bühne. Es war eines der ersten Theater in München überhaupt, das von den Amerikanern die Spiel-Lizenz bekommen hatte. Am 7. Februar 1947 folgte die erste Premiere: Grillparzers „Wehe dem, der lügt“. In 60 Jahren sind mehr als 120 Puppen entstanden, mehr als 40 verschiedene Stücke von Bertolt Brecht, Günter Eich und eigene hatten Premiere, Theatermacher sammelten im Kleinen Spiel erste Bühnenerfahrung. Tankred Dorst zum Beispiel inszenierte hier seine ersten Werke, und Michael Ende hatte als 20-Jähriger eine Sprecherrolle. Damals wie heute treibt die ehrenamtlichen Mitglieder des nicht eingetragenen Vereins allein die Spielfreude in die Werkstatt, in der sich Farbtöpfe stapeln, die nach Ammoniak riecht und wo aus Latexmilch Puppen gegossen werden. Damals wie heute hebt sich donnerstags um 20 Uhr der Vorhang. Auf den roten Bänken können dicht an dicht 70 Zuschauer sitzen, fast immer ist es voll. Am Ende der Vorstellung schwebt ein alter Zylinder von der Decke, für eine Spende. In letzter Zeit sind es im Schnitt drei Euro pro Kopf. Zu wenig, „existenzbedrohend“, sagt Nicola von Otto, die aktuelle Leiterin. Seit 50 Jahren wurde zwar die Miete nicht mehr erhöht. Aber allein das Material für eine neue Inszenierung kostet um die 2500 Euro. Konsumorientiert ist das Kleine Spiel nie gewesen. „Dann wäre Schluss mit unserem Spielgeist“, so Bahro. Unter den Mitgliedern sind Mediziner, Physiker, Lektoren. Der Jüngste ist gerade 16 geworden. Der Alteste. Ernst Hofmeister. 84. Er wird allerdings erst zur Premiere kommen, um nicht „reinzuquatschen“, sagt er. „Das Theater braucht die jungen Leute.“ Durch sie hat sich die einstige Studenteninitiative 60 Jahre lang immer wieder erneuert. (Donnerstag, 8. Februar, Neureutherstraße 12, 20 Uhr.) CAROLIN PIRICH
Münchner Merkur, 8.2.2007:
Strippenzieher mit leerem Zylinder
Marionettenbühne „Kleines Spiel“ feiert heute bei einer Premiere ihr 60-jähriges Bestehen Maxvorstadt — „Der Eintritt ist frei. Zahlen Sie, was Ihnen der Abend wert ist.“ Dies gilt seit 60 Jahren. Das „Kleine Spiel“, ein Figurentheater für Erwachsene, öffnete am 7. Februar 1947 in Schwabing zum ersten Mal seine Pforten. Am heutigen Donnerstag feiert die Bühne ihr 60-jähriges Bestehen. Alles hatte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen: Peter Auzinger versammelte 15 befreundete Studenten um sich. Mit denen hatte er schon zu Schulzeiten Theater gespielt. Auf einer Wanderbühne gaben sie Vorstellungen in München. Von der amerikanischen Militärregierung erhielten sie 1946 die obligatorische Spiellizenz. So begann das „Kleine Spiel“ in einer beschädigten Atelierwohnung an der Ainmillerstraße ein Kammertheater einzurichten. Ein tödlicher Unfall überschattete jedoch die Arbeiten: Auzinger verunglückte während der Arbeiten auf der Baustelle. Dennoch eröffneten seine Freunde 1947 das „Kleine Spiel“. Das wohl bisher bekannteste Ensemble-Mitglied, Tankred Dorst, stieß 1951 zu der Gruppe. Etwa 13 Jahre lang war der Schriftsteller dabei. Während dieser Zeit verfasste er acht Stücke für die Gruppe, die sie heute noch aufführen. 1952 bezog das „Kleine Spiel“ zwischenzeitlich den Café-Trakt der Universitätsreitschule. 1956 fanden die Puppenspieler ihre Bleibe an der Neureuther Straße 12, wo sie bis heute ihre Bühne haben —55 Zuschauer finden hier Platz.
15 aktive Mitglieder werden von 120 passiven gefördert
„Derzeit besteht die Truppe aus 120 passiven Mitgliedern, die das ‚Kleine Spiel‘ gelegentlich unterstützen, und aus 15 aktiven“, sagt Ulli Kretschmer, die Sprecherin des „Kleinen Spiels“. „Der Jüngste ist 15 Jahre alt. Der Älteste ist Ernst Hofmeister mit 84 Jahren. Er ist am längsten dabei — seit 1947.“ Ab und zu hilft er sogar noch bei der Organisation mit „oder springt als Erzähler ein“ ‚sagt Hofmeister. Die Künstler sind allesamt ehrenamtlich und in ihrer Freizeit für das Theater tätig. „Ansonsten arbeiten sie teils als Physiker, Bankdirektor, Lektor, Haustechniker oder Arzt“, verrät Kretschmer. „Es gibt aber auch Leute, die hauptberuflich an Theatern oder in der Filmbranche tätig sind.“ Axel Bahro und Thomas Schwendemann zum Beispiel, die mit anderen das aktuelle Stück „Wal de Mar und die Wasserköpfe“ inszeniert haben. Bahro ist professioneller Puppenspieler, Schwendemann angehender Regisseur. Alle anfallenden Aufgaben erledigen die Mitglieder selbst: In ihrer Werkstatt neben der Bühne bauen sie Marionetten und Kulissen. Sie schreiben Stücke und kornponieren Musik, proben und führen Regie. Mitmachen kann jeder. Jeden Donnerstag außerhalb der Schulferien findet eine Vorstellung statt. Neben eigenen Stücken spielt die Gruppe auch Werke von Bertolt Brecht, Ludwig Thoma und anderen Autoren. Zu Verdienen ist mit dem Puppenspiel praktisch nichts: „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und finanzieren uns ausschließlich aus Spenden“, erklärt Kretschmer. Daher geht seit 60 Jahren nach jeder Vorstellung ein Zylinder durch das Publikum. So auch am heutigen Donnerstag. Da feiert das „Kleine Spiel“ sein 60-jähriges Bestehen mit einer Premiere: Die Detektivgeschichte „Wal de Mar und die Wasserköpfe“ — aus der Feder von drei Ensemble-Mitgliedern. Tina Nachtmann
Münchner Wochenanzeiger, Schwabinger Seiten, 7.2.2007:
Wo Fisch auf Feder trifft. 60 Jahre Puppenbühne »Kleines Spiel« in der Neureutherstraße 12.
Schwabing Federn aus Stahl und vom Vogel — und einen Elektromotor unter der Latexhaut: Wal de Mar ist ein Fisch mit detektivischen Fähigkeiten und der neue Star im »Kleinen Spiel« in der Neureutherstraße 12. Pünktlich zum 60-jährigen Jubiläum der Puppen- bühne für Erwachsene geht für die derzeit gut 20 Mitwirkenden, vom 15-jährigen Schüler bis zum 83-jährigen Gründungsmitglied, ein jahrelang gehegter Traum in Erfüllung: ein Unterwasserstück und ein Krimi. Und das ist die Eigenproduktion »Wal de Mar und die Wasserköpfe. Fisch trifft Mensch, Nerv trifft Seele«, die am Donnerstag, 8. Februar, 20 Uhr, Premiere feiert. Einlass ist ab etwa 19.40 Uhr. Reservierungen sind nicht möglich. Klein sind nämlich nicht nur die Puppen, auch der Raum: Platz ist nur für 60 Zuschauer. Auch wenn heute nicht nur klassische Marionetten die Bühne bevölkern, sondern High Tech-Puppen wie Wal de Mar: Zwei Dinge haben sich im Kleinen Spiel seit sechs Jahrzehnten nicht verändert: noch immer sind die Puppenspieler, Figurenbauer und Sprecher ehrenamtliche Theatermacher. Und die Vorstellungen kosten keinen Eintritt. »Das soll auch so bleiben«, sagt Nicola von Otto. Da es keine regelmäßige Unterstützung gebe, etwa von der Stadt, außer mal auf Anfrage, sei die Bühne auf Spenden angewiesen. Da ist in letzter Zeit eine deutliche Zurückhaltung zu spüren, meint von Otto: »Pro Zuschauer landen durchschnittlich zwei Euro im traditionellen Zylinder. Das ist zu wenig. Um die Existenz des Kleinen Spiels zu sichern, sollte einem der Abend so viel wert wie eine Kinokarte sein, also etwa 8 Euro.« Alle Mitwirkenden bekommen kein Geld, aber die laufenden Kosten müssen bezahlt werden und jede neue Inszenierung, die alle fünf Jahre ansteht, belaufe sich auf gut 2.000 Euro. Immerhin ist für die Räume nur ein symbolischer Obolus fällig. »Der Vermieter ist unser Mäzen.« Und das gilt wohl seit 1956, als das »Kleine Spiel« nach Stationen in der Georgenstraße, Ainmillerstraße und im Café-Trakt der Reitschule schließlich in den Keller in der Neureutherstraße 12 gezogen ist. Offiziell gegründet wurde die Minibühne am 7. Februar 1947 von Studenten. Dabei gab es das Theater als Privatinitiative von Freunden bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. Berühmtester Teil der Truppe war ab 1951 für 13 Jahre der Schriftsteller und damalige Germanistikstudent Tankred Dorst, der auch Stücke für die Puppenbühne geschrieben hat. Zum Repertoire gehörten später Brecht-Adaptionen, heute überzeugt das Theater mit Genre-Parodien wie eine Vampir-Revue oder jetzt einem Unterwasser-Krimi. Das »Kleine Spiel« zeige aber kein »verkleinertes Menschentheater«. »Eine Puppe kann einen Menschen nicht nachahmen, da verliert die Puppe immer«, sagt von Otto. Heute arbeitet das Ensemble nicht nur mit klassischen Marionetten (200 hängen im Lager), sondern mit Hand- und Effekt-Stabpuppen, alles selbstgemacht. Die Bastelstube liegt praktischer- weise neben der Bühne, so dass bei gerissenen Fäden während den Aufführungen Not-OPs stattfinden können. Der beste Freund des Puppenspielers sei ein Wärme- pflaster, verrät Axel Bahro, auch im bürgerlichen Leben Puppenbauer und -spieler (»Käpt‘n Blaubär«). Aber ob Kreuz oder Bandscheibe: »Die Schmerzen kommen gottlob immer nach der Vorstellung.« M. Schmid |
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