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MANN IST MANN


MANN IST MANN

Von Bertolt Brecht

Erstaufführung im Kleinen Spiel am 28.11.1968
Neuinszenierung am 06.05.2004
Zuletzt auf dem Spielplan im November 2011

Hat ein Mensch ein Gesicht, ein unauslöschliches, unverwechselbares? Nein, sagt Brecht, nicht mehr Gesicht hat er als ein Fisch. Ein Fisch ist wie der andere, und ein Mensch ist wie der andere, und ein Mensch ist nicht mehr als ein Fisch, und sein Schicksal ist nicht erschütternder als das eines Fisches.

Galy Gay, ein Mann, der nicht nein sagen kann, geht los, um einen Fisch zu kaufen. Er gerät in die Fänge von Soldaten, die seine Persönlichkeit mit Hilfe von Bier und Zigarren und einem angeblichen Geschäft umbauen, bis er ein völlig anderer ist, in ihr Militärkollektiv passt, zu einem blutrünstigen Berserker, einer menschlichen Kampfmaschine wird. „Mann ist Mann“ – auch heute erschreckend aktuell.

Aus dem Text:
„Herr Bertolt Brecht behauptet: Mann ist Mann.

Und das ist etwas, was jeder behaupten kann.

Aber Herr Bertolt Brecht beweist auch dann,

dass man mit einem Menschen beliebig viel machen kann.

Hier wird heute abend ein Mensch wie ein Auto ummontiert,

ohne dass er irgend etwas dabei verliert.

Herr Bertolt Brecht hofft, Sie werden den Boden, auf dem Sie stehen,

wie Schnee unter Ihren Füßen vergehen sehen.

Und werden schon merken bei dem Packer Galy Gay,

dass das Leben auf Erden gefährlich sei.“

Brechts Stück ist 78 Jahre alt. Das Thema ist leider nicht veraltet. Es gibt chronische Aktualitäten.



Brecht auf dem Figurentheater
In einer frühen Inszenierung von „Mann ist Mann“ stattete Brecht die Schauspieler der Soldaten mit Stelzen, Drahtbügeln, Riesenhänden und Masken aus und verwandelte sie so in entmenschte Ungeheuer. Galy Gay wurde nach und nach buchstäblich in ein solches ummontiert. Denn für Brecht war der Mensch mit seinen begrenzten Verwandlungskünsten unzeitgemäß geworden; er wollte Aktion und Demonstration statt Mimentum.

Dem Medium Marionette sind kaum Grenzen gesetzt; es gelten andere physikalische Gesetze als für den Menschen. Sie kann beispielsweise jede beliebige Form und Gestalt annehmen und sich nahezu völlig der Schwerkraft entziehen: schweben, fliegen, blitzartig verschwinden usw. So wird sie quasi zur Inkarnation der Botschaft in Reinform; die Parabelbilder von Bertolt Brecht, der ummontierbare Mensch, werden auf der Puppenbühne zu unmittelbarer, gegenständlicher Wirklichkeit.


„Es genügt, einem Menschen eine Uniform anzuziehen, ihn von seiner Familie zu trennen und die Trommel zu rühren, um ein wildes Tier aus ihm zu machen.“
(Leo Tolstoj)


„Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit.“
(Bertolt Brecht)


„Das große Karthago führte 3 Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden.“
(Bertolt Brecht)


„Sie machen mich noch verlegen, denn ich kann mich nicht erinnern, ob es gestern war oder vorgestern. Ich habe bestimmt einen Befehl unterzeichnet, einen Einsatzbefehl hinsichtlich der Truppenbewegung. Und ich erinnere mich ehrlich nicht, wann.“
(Donald H. Rumsfeld)


„Es ist die Sache der Legislative, Gesetze zu schreiben. Es ist die Sache der Regierung, das Gesetz auszulegen.“
(George W. Bush)


Infos zum Download:
Pressetext "Mann ist Mann"
 (26 K)

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